Ortovox Avabag – der besonders leichte Lawinenairbag

Ortovox Avabag

Ortovox Avabag
7.3333333333333

Preis-Leistung

7/10

    Sicherheit

    8/10

      Komfort

      8/10

        Vorteile

        • - besonders leicht
        • - Links-/Rechtshänder
        • - guter Auslösegriff

        Nachteile

        • - nur kleine Rucksäcke

        Der bayerische Berg-Sportartikelhersteller Ortovox hat bei seinen Lawinenrucksäcken bislang auf das ABS-Airbag-System gesetzt, mit dem Winter 16/17 führt man jedoch nun ein eigenes System ein. In fünf Modellen der Ascent und Free-Rider Rucksacklinie wird nun der hauseigene Avabag verbaut.

        Ortovox eröffnet dabei gleich mal die Schlacht um das gewichtsparendste Airbag-System. Dafür hat man gleich ISPO-Award „Product of the Year 2016“ eingeheimst. Mit diesem Award bedenkt die Internationale Sportartikel-Messe in München das jeweils herausragendste Produkt aus den Bereichen „Action, Outdoor, Ski, Performance, Health & Fitness“. Der Ortovox Avabag kommt also mit einigen Vorschusslorbeeren auf den Markt.

        Sicherheit mit Leichtigkeit

        Das Gewicht des Systems ist tatsächlich Spitzenklasse: Nur 640 Gramm wiegt das System (ohne Kartusche), komprimiert in einem Packvolumen von nur 1,8 Litern. Damit hat man im Vergleich zum bisher leichtesten System, dem Scott Alpride (800 g ohne. Kartusche), nochmal ein paar Gramm eingespart. Natürlich braucht man aber für ein funktionierendes System auch noch eine Kartusche, wie von anderen Herstellern gewohnt, gibt es diese in den Ausführungen Stahl (510g) und Karbon (310g).

        Lawinenrucksack mit optimierter Technik

        Bei der Funktionsweise des Lawinenrucksack-Systems hat man vor daran gearbeitet, bekannte Systeme weiter zu optimieren und zu vereinfachen. Wie bereits beschrieben setzt Ortovox auf ein System mit Stickstoff-Flasche, die einen 160-Liter-Airbag in ca. 3 Sekunden zur Entfaltung bringt. Das entspricht dem Branchenstandard.

        Bei der Auffaltung hilft ein Venturi-Ventil, d.h. bei der Aufblasung wird zusätzlich zum Gas aus der Patrone auch noch Unterdruck erzeugt, um Luft aus der Umgebung anzusaugen. Hier zeigt sich eine erste Optimierungsmaßnahme: Der Auslösemechanismus sitzt innerhalb der Venturi-Einheit, wodurch das ganze System nochmal kompakter wird und so laut Hersteller auch gegen Korrosion, Verschmutzung und Vereisung gefeit sein soll.

        Beim Auslösen ist ein lautes Klicken zu hören – das ist praktisch, da man beim Üben so eine deutliche akustische Rückmeldung hat. Ohne eingeschraubte Flasche kann das Auslösen beliebig oft trainiert werden. Nach jedem Auslöse-Vorgang wird die Einheit mit mit Hilfe eines Vorspanntools wieder scharf gemacht.

        Nahtloser Airbag mit 1 Kammer

        Der Avabag arbeitet mit einem Einkammer-Airbag, der sich hinter Kopf und Schultern leuchtend orange auffaltet. Im Vergleich zu anderen Lawinenrucksäcken fällt auf, dass der Ortovox Avabag Airbag hier etwas höher sitzt: Bei anderen Systemen reichen die Flügel des Airbags subjektiv betrachtet ein Stück weiter zur Hüfte. Das Fassungsvermögen von 160 Litern entspricht aber dem Branchendurchschnitt.

        Bei der Verarbeitung der Luftkammer hat man weiter Gewicht eingespart. Der Airbag wird verschweißt und hat so keine Nähte. Damit wird nicht nur das Gewicht, sondern auch das Packmaß gering gehalten. Das Zusammenlegen gestaltet sich ein wenig knifflig. Man muss die beiligende Anleitung genau befolgen, um den Airbag wieder zurück in seine ursprüngliche Form zu bringen.

        Voller Zugriff auf den Zug-Griff

        Der Auslöser des Ortovox Avabag sieht auf den ersten Blick sehr eigenwillig aus, doch die Ecken und Kanten haben ihre Begründung. Mit dem Griff-Design reagiert Ortovox auf ein spezielles Problem: Ortovox beruft sich auf Daten, wonach es jedem achten Nutzer nicht gelingt, den Airbag im Notfall auszulösen. Natürlich spielen hierbei wohl auch die Faktoren Zeit und mangelnde Übung eine Rolle, Ortovox wirbt aber damit, dass der Griff „auslöseoptimiert“ sei.

        Die Form ist kantig und die Oberfläche betont griffig, damit der Griff stets gut zu bedienen ist, d.h. auch mit dicken Handschuhen und sowohl mit der linken als auch der rechten Hand. Außerdem steht der Griff ein wenig vom Trageriemen ab, um auch in ungünstigen Sturzpositionen schneller greifbar zu sein. Und auch die Höhe des Griffs lässt sich in zwei Stufen verstellen und ist damit an unterschiedliche Körpergrößen und Vorlieben anpassbar.

        Zum Transport oder am Lift lässt sich der Griff auch in einem kleinen Fach verstauen. Vorsicht bei der Abfahrt: Bei allem Komfort darf man nicht vergessen, vor dem ersten Schritt ins Gelände zu kontrollieren, ob der Griff auch ausgepackt ist.

        Ortovox Avabag bietet 2 Rucksack-Linien

        Ortovox bietet zum Avabag vorerst zwei Rucksack-Linien an: Die Ascent-Modelle zielen auf den Ski-Touren-Einsatz ab, die Free-Rider-Serie kommt zusätzlich mit einem Rückenprotektor daher. Beide Serien verfügen über eine Sicherheits-Beinschlaufe und einen Hüftgurt.

        In der Ascent-Linie gibt es drei Größen: 22, 28s (speziell für die weibliche Anatomie) und 30 Litern, gefertigt aus leichtem und abriebfestem Nylon-Material. Die Rucksäcke sind wie der Avabag auf geringes Gewicht getrimmt: Das Systemgewicht (inkl. Avabag aber ohne Kartusche) liegt zwischen 1780g (Ascent 22) und 2040g (Ascent 30).

        Damit schlägt man die Konkurrenz auch in Verbindung mit dem Rucksack noch um ein paar Gramm. Allerdings könnte man auch einwenden, dass das reduzierte Gewicht erst bei ausgedehnteren Touren so richtig ins Gewicht fällt. Und bei denen wünscht man sich vielleicht doch etwas mehr Platz als 30 Liter. Es bleibt hier abzuwarten, wie sich die Produktpalette und Angebot in den kommenden Saisonen entwickelt.

        Die Free-Rider-Rucksäcke sind zusätzlich mit einem Rückenprotektor-System ausgestattet. Die Schaum-Pads verhärten sich bei Krafteinwirkung, um den Träger des Rucksacks vor Verletzungen zu bewahren. Verfügbare Varianten hier: 20s und 22 Liter.

        Positiv ist, dass das Pack-Volumen der Rucksäcke ohne den Airbag berechnet wird – die Größenangabe entspricht also auch wirklich dem vorhandenen Platz. Und natürlich verfügt auch der Ascent über Schlaufen an der Außenseite, an denen sich manche zusätzliche Ausrüstung befestigen lässt.

        Mit dabei sind u.a. Ski-Befestigung, Schlaufen fürs Trinksystem und bei den Ascent-Modellen auch eine Seilfixierung. Weitere Pluspunkte: die Airbag-Einheit lässt sich ausbauen, um den Rucksack auch alltagstauglich zu machen und die hellen Innenraumfarben gestalten die Suche nach kleinen Gegenständen etwas einfacher.

        Mein Fazit zum Ortovox Avabag

        Große technische Revolutionen bleiben beim Ortovox Avabag aus, es sind die Details, in denen das System überzeugt. Das Argument der Gewichtsersparnis wird für viele Nutzer interessant sein. Vom Fassungsvermögen her sind die Ascent-Rucksäcke des Winters 2016/17 vielleicht noch eher für kürzere Touren und ungezwungenes Freeriden ausgelegt als für ausgedehnte Expeditionen. Wer aber Leichtigkeit und Qualität sucht, liegt hier sicher richtig. Allerdings hat die Leichtigkeit auch ihren Preis: Mit Airbag, dafür ohne Kartusche kommt ein Ascent-Rucksack auf ca. 660-699,95 Euro. Ohne Avabag-System kommt z.B. Ascent 22 auf ca. 240 Euro.

        Foto: Ortovox

        Ortovox Avabag

        Ortovox Avabag
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        Preis-Leistung

        7/10

          Sicherheit

          8/10

            Komfort

            8/10

              Vorteile

              • - besonders leicht
              • - Links-/Rechtshänder
              • - guter Auslösegriff

              Nachteile

              • - nur kleine Rucksäcke